Der US-Senat prüft derzeit zwei Änderungsanträge zu einer umstrittenen Bestimmung, die Kryptowährungen betrifft und in einem 1-Billionen-Dollar-Infrastrukturgesetz enthalten ist. Die neueste Änderung könnte nun Ethereum und Cardano das Genick brechen.

Was bisher geschah

Der ursprüngliche Entwurf des Infrastrukturgesetzes sah vor, geschätzte 28 Milliarden Dollar durch zusätzliche Steuereinnahmen im Bereich der Kryptowährungen zu erheben. In diesem Kontext soll jede Person, die (gegen Entgelt) für die Durchführung von Transaktionen digitaler Vermögenswerte verantwortlich ist und regelmäßig Dienstleistungen erbringt, als Makler definiert werden.

Diese Definition war so weit gefasst, dass dadurch PoW-Miner und PoS-Validierer, aber auch auf nichtwirtschaftliche Akteure wie Node-Betreiber oder Wallet-Entwickler gemeint sein könnten.

Damit würden sie auch Auflagen unterliegen, die es erfoderlich machen Kundendaten wie Name, Adresse und Steueridentifikationsnummer zu erfassen. Daten, an welche diese Akteure in der Regel nicht einmal drankommen würden, wenn sie es wollten. Entsprechend könnte dies zu einem flächenweiten Verbot von Bitcoin Minern und Co. führen.


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Am Mittwoch schlugen die Senatoren Ron Wyden, Cynthia Lummis und Pat Toomey allerdings einen Änderungsantrag vor, der Bitcoin Miner, Validierer, Protokollentwickler und Wallet-Ersteller von dieser Bestimmung ausnehmen würde.

Das beruhigte die Gemüter etwas. Nur leider nicht für lange.

Cardano und Ethereum auf der Abschussliste

Da das Infrastrukturgesetz einer Abstimmung näher kommt, schlug der Senator Rob Portman als Übeltäter der ursprünglichen Bestimmung am gestrigen Tag seinen eigenen Änderungsantrag vor.

Während er die Ausnahmeregelung des konkurrierenden Änderungsantrag für PoW-Miner beibehält, sollen Validierer von Proof-of-Stake (PoS)-Netzwerken wie Cardano und bald Ethereum, ebenso wie die Protokollentwickler den neuen Meldepflichten unterliegen.

Dieser Portman ist eben ein echter Crypto-Grinch. Seine Mission ist es, uns die Party ordentlich zu vermiesen und anscheinend gibt er erst Ruhe, wenn ihm das auch gelungen ist.

Das große Problem ist, dass dieser PoS-feindliche Änderungsantrag nun Unterstützung aus einer Ecke bekommt, die dessen Durchsetzung wieder ein Stück wahrscheinlicher macht.

Präsident Biden könnte die Waagschale zum Kippen bringen

Die Biden-Administration unterstützt nun überraschender Weise den Änderungsantrag von Portman. Ein Antrag, der ein breites Segment der Crypto-Industrie in der Theorie diesen lästigen oder sogar unmöglichen Steuererklärungspflichten unterwerfen würde.

Das endgültige Schicksal beider Änderungsanträge ist allerdings noch in der Schwebe. Die Abstimmung darüber war zwar ursprünglich für den Donnerstag angesetzt, wird aber nun aller Wahrscheinlichkeit nach am Samstag stattfinden.

Während die Verzögerung damit ein kleines Zeitfenster bietet, um gegen den Portman-Änderungsantrag zu mobilisieren, ist das Unterfangen durch die Unterstützung durch US-Präsident Biden nicht leichter geworden.

Diese Entwicklung kam zugegebenermaßen auch sehr überraschend, da der erste, wesentlich Crypto-freundlichere Änderungsantrag bereits kurz vor der Annahme stand. Doch offensichtlich möchte hier gegen Kryptowährungen vorgegangen werden und wenn es Bitcoin (BTC) schon nicht sein kann, dann muss scheinbar Ethereum (ETH) herhalten.

Ganz nebenbei wird dadurch jede weitere PoS-Chain, wie auch Cardano, damit ebenfalls auf die Abschussliste gesetzt.

Ein Angriff auf Ethereum und DeFi

Sollte der Änderungsvorschlag von Portman abgesegnet und tatsächlich durchgesetzt werden, könnten viele Projekte im Bereich der dezentralen Finanzwirtschaft (DeFi) gezwungen sein, ihren Laden dicht zu machen oder die USA zu verlassen.

Einige behaupten, dass Senator Portman damit einen “Angriff auf DeFi” plant. Ryan Selkis, der Gründer des Forschungsunternehmens Messari, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er vermutete, dass die Gegner von Kryptowährungen in der US-Regierung einen noch zynischeren Plan verfolgen.

Er glaubt, dass das Verbot von PoS-Chains wie (bald) Ethereum und Cardano nur der erste Schritt sei. Ihm zur Folge ist Bitcoin nämlich noch nicht aus dem Schneider. Er vermutet, dass hier ein Angriff mit Hilfe der Umweltpolitik nur eine Frage der Zeit sei.

https://twitter.com/twobitidiot/status/1423473696073822216

Doch wie gesagt, ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das Gesetz, selbst wenn so abgesegnet, wird zudem frühestens 2023 in Kraft treten.

Trotzdem zeigt diese Entwicklung deutlich, dass von einigen Seiten in den USA bereits begonnen wird, gegen Kryptowährungen zu mobilisieren. Nicht ganz überraschend, aber dennoch für den einen oder anderen frustrierend. Doch wie sagte Robert Francis Kennedy bereits sehr treffend?

Progress is a nice word. But change is its motivator. And Change has its enemies.

Wohl wahr. Der Fortschritt hatte schon immer seine Gegner. Doch Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, sondern höchstens verzögern. Hoffen wir aber, dass es in diesem Fall nicht dazu kommt.


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