Was ist die Dow-Theorie

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Dow-Theorie: Ihre 6 Kernaussagen und Kritikpunkte

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Von Mister Coinlover-Dezember 13, 2020

Die Dow-Theorie ist auf Charles Dow und Edward Jones zurückzuführen, die 1882 die Dow Jones & Company gründeten. Die meisten Menschen, welche die Märkte studieren, sind sich in einem Punkt einig: Das, was wir heute technische Chartanalyse nennen, hat seine Ursprünge in den Theorien hat, die von Dow zur Jahrhundertwende formuliert wurden.

Die Dow-Theorie ist nach wie vor der Grundstein der technischen Chartanalyse. Selbst angesichts der heutigen ausgereiften Computertechnologie und der starken Zunahme neuerer und als besser erachteter Indikatoren, sind die damals formulierten Kernaussagen der Dow-Theorie immer noch gültig.

Dow wendete seine theoretische Arbeit auf den Aktienmarktindizes an und entwickelte dabei 6 Kernaussagen, die auch heute noch der Praxis standhalten. Diese Kernaussagen sollte jeder technische Chartanalyst verinnerlicht haben. Während sich Dow seiner Zeit auf den Industrie- und Eisenbahnindex bezog, sind seine Theorien nicht nur auf Aktienindizes anwendbar, sondern auch auf viele weitere Märkte übertragbar. Um welche Aussagen es sich handelt, schauen wir uns jetzt genauer an.

Dow-Theorie und ihre Kernaussagen

Die Dow-Theorie ist ein Sammelsurium an guten Ratschlägen, wenn man so will. Ohne blasphemisch klingen zu wollen, werden daraus die „6 Gebote“ der technischen Chartanalyse abgeleitet. Sie bilden quasi das Grundgerüst oder wenn man so will – die Faustregeln, die sich jeder Trader bei seiner eigenen Herangehensweise an die Märkte hinter die Ohren schreiben sollte.

1. Die Indizes diskontieren alles

Die Kernaussage der ersten Faustregel ist denkbar simpel und gleichzeitig elementar. Die Bewegungen des Kurses spiegeln das aufsummierte Wissen aller Marktteilnehmer über die Vergangenheit, Gegenwart und eventuelle Zukunft wider.

2. Der Markt hat drei Trends

Nach der Dow-Theorie gibt es 3 Trends:

  1. den primären,
  2. sekundären
  3. und unbedeutenden.

Um das Zusammenspiel der drei Trends zu veranschaulichen, bietet es sich eine Analogie zu dem Meer und seinen Gezeiten an. Der primäre Trend steht darin für Ebbe und Flut. Der sekundäre oder mittelfristige Trend repräsentiert die Wellen des Meeres, welche die Gezeiten widerspiegeln. Zu guter Letzt verhalten sich die untergeordneten Trends wie die Kräuselungen auf den Wellen.

Wir können die Gezeiten bestimmen, indem wir am Strand beobachten wie weit die einzelnen Wellen reichen und jeweils ihren höchsten Punkt am Strand markieren. Wenn die darauf folgenden Wellen immer weiter Landeinwärts reichen, herrscht Flut. Beim gegenteiligen Fall herrscht Ebbe. So verhält es sich auch mit dem primären Trend (oder auch übergeordneter Trend genannt). Bilden sich höhere Hochs, haben wir es mit einem Aufwärtstrend zu tun. Bilden sich tiefere Tiefs aus, handelt es sich um einen Abwärtstrend.

3. Primäre Trends haben drei Phasen

Dow konzentrierte sich in seiner Arbeit auf primäre bzw. langfristige Trends. Diese teilte er für gewöhnlich noch ein weiteres Mal in drei einzelne verschiedene Phasen auf.

  1. Die Akkumulationsphase,
  2. eine Phase der öffentlichen Beteiligung
  3. und eine Distributionsphase.

In der Akkumulationsphase kaufen oder verkaufen die gut informierten Anleger beispielsweise eine Trendumkehr. Hier wird auch oft vom Smart Money gesprochen. Bei der Phase der öffentlichen Beteiligung hat ein neuer Trend bereits begonnen und die Trend folgenden Anleger fangen an mit einzusteigen. In dieser Phase steigen oder fallen die Kurse sehr schnell und nehmen oftmals einen exponentiellen Verlauf an. Wenn die öffentliche Meinung dann sich einiger denn je ist und das allgemeine Interesse ansteigt, fängt die Distributionsphase an. In dieser Phase beginnt das Smart Money aus der Akkumulationsphase seine Positionen wieder abzubauen.

4. Die Indizes müssen einander bestätigen

Dow war davon überzeugt, dass keinem Signal zu Beginn eines Bullen- oder Bärenmarktes zu trauen sei, solange nicht beide Indizes dasselbe Signal geben und sich damit gegenseitig bestätigen. Er glaubte nicht, dass die Signale gleichzeitig stattfinden müssten, aber er erkannte, das eine kürzere Zeitspanne zwischen den Signalen eine stärkere Bestätigung bedeutet.

5. Das Volumen muss den Trend bestätigen

Dow sah das Volumen als zweitrangigen, aber dennoch wichtigen Faktor bei der Bestätigung von Kauf- und Verkaufssignalen. Vereinfacht ausgedrückt soll der Umsatz in Richtung des vorherrschenden Trends ansteigen.

6. Ein Trend besteht solange, bis er sich eindeutig umgekehrt hat

Diese Aussage bezieht sich auf ein physikalisches Gesetz der Bewegung. Dieses besagt, dass ein Objekt in Bewegung (in diesem Fall der Trend) dazu tendiert, in Bewegung zu bleiben, bis externe Kräfte einen Richtungswechsel verursachen. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Wahrscheinlichkeit stets höher ist, dass sich ein Trend fortsetzt, als das er sich umkehrt. Außer natürlich es liegen eindeutige Beweise dafür vor, dass dem nicht mehr so ist.

Kritikpunkte der Dow-Theorie

Die Dow-Theorie hat über die Jahre gut bei der Identifizierung primärer Bullen- und Bärenmärkte funktioniert. Allerdings hat sie wie jede andere Theorie auch ihre Kritiker.

Die größte Kritik an der Dow-Theorie ist die Tatsache, dass sie durchschnittlich 20 bis 25% einer Bewegung verpasst, bevor sie ein Signal generiert.

An dieser Stelle muss man fairerweise aber darauf hinweisen, dass die Dow-Theorie nie entwickelt wurde, um Trends vorauszusagen. Dow wollte vielmehr die Entwicklung eines grundlegenden Bullen- oder Bärenmarktes erkennen, um den großen Schwung wichtiger Marktbewegungen rechtzeitig mitzunehmen.

Ist die Dow-Theorie für Futures-Trading geeignet?

Die Dow-Theorie analysiert das Verhalten von Aktienindizes. Obwohl ein Großteil seiner Erkenntnisse ebenfalls  eine grundlegende Bedeutung für Terminkontrakte hat, gibt es einige wichtige Unterschiede zwischen dem Trading von Aktien und Futures.

Für Dow waren die untergeordneten oder kurzfristigen Trends eher uninteressant. Beim Trading von Terminkontrakten, wo die meisten trendfolgenden Händler im mittelfristigen statt im langfristigen Trend handeln, sind diese aber in keinem Fall zu vernachlässigen. Der kurzfristige Trend ist aus diesen Gründen beim Futures Trading extrem wichtig. Nichtsdestotrotz lassen sich die Kernaussagen der Dow-Theorie problemlos auf den Ansatz jeder technischen Analyse übertragen.

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