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Wie entsteht ein Kurs? Entstehung und Ursachen von Kursänderungen

Von Mister Coinlover-Dezember 13, 2020

Die Kursbildung an den Terminmärkten und an den Kassamärkten spiegelt den Ausgleich von Angebot und Nachfrage wider. Doch die pauschale Aussage, dass Angebot und Nachfrage den Preis und damit den Kurs bestimmt, ist uns an dieser Stelle zu Allgemein.

In diesem Artikel werden wir dir deswegen anhand von leicht verständlichen Beispielen erklären, wie sich der Bitcoin Kurs bildet. Denn die Antwort auf die auf den ersten Blick scheinbar leicht zu beantwortende Frage hat sehr viel mehr zu bieten, als die meisten wissen. Lerne im Detail wie sich ein Kurs bildet und welche Erkenntnisse sich daraus für Trader ableiten lassen.

Wie ein Kurs entsteht

Grundsätzlich werden alle Kauf- und Verkaufsaufträge an die dafür zuständige Börse weitergeleitet. Der Auftrag des Traders auf der Handelsplattform seines Brokers oder des Kunden in der Bank werden alle an die dafür ausgewiesenen Regionalbörse weitergeleitet, chronologisch aufgelistet und abgearbeitet. Die Aufgabe der Börse ist es dann, das Angebot (Verkaufsaufträge) und die Nachfrage (Kaufaufträge) miteinander auszugleichen. Wie daraus eine Kursbildung entsteht, erklären wir dir jetzt mit dem folgenden Beispiel.

Nehmen wir an, dass BTC aktuell bei 19.300$ gehandelt wurde. Nun treffen die ersten Aufträge in der Börse ein, die wiederum in das Orderbuch eingetragen werden. Darunter ist ein Kaufauftrag für 0,1 BTC zum Preis von 19.000$. Da der Bitcoin Kurs aber zuletzt bei 19.300$ lag und der Kaufauftrag mit einem Preis von 19.000$ deutlich darunter liegt, handelt es sich hierbei um eine Limit Order.

Bitcoin Kurs Nachfrage Angebot
19.000$ 0,1 BTC Limit
19.300$ (Marktpreis)

Wenig später trifft eine Verkaufsauftrag von 0,5 BTC als Market Order ein. Da es sich hier nicht um eine Limit Order mit einem vorgegebenen Preis handelt, wird der Verkaufsauftrag in der Spalte „Angebot“ in der Zeile des aktuellen Marktpreises von 19.300$ eingetragen.

Bitcoin Kurs Nachfrage Angebot
19.000$ 0,1 BTC Limit
19.300$ (Marktpreis) 0,5 BTC Market

Ein weiterer Kaufauftrag für 1 BTC wird für einen Preis von 18.700$ eingereicht. Dieser Auftrag wird in der Spalte „Nachfrage“ in einer neuen Zeile als Limit Order eingetragen.

Bitcoin Kurs Nachfrage Angebot
18.700$ 1 BTC Limit
19.000$ 0,1 BTC Limit
19.300$ (Marktpreis) 0,5 BTC Market

Nach und nach treffen weitere Aufträge ein:

  • Sell-Limit-Order: 0,8 BTC für 19.000$
  • Sell-Limit-Order: 0,1 BTC für 19.200$
  • Buy-Market-Order: 0,7 BTC zum aktuellen Marktpreis
  • Buy-Limit-Order: 0,3 BTC für 19.200$
  • Sell-Limit-Order: 0,2 BTC für 19.400$
  • Sell-Limit-Order: 0,4 BTC für 19.500$

Im ersten Schritt werden alle Kauf- und Verkaufsaufträge in die Tabelle übertragen. Das Ziel ist es das Angebot der Nachfrage gegenüberzustellen und den möglichen Umsatz zu ermitteln. Der daraus resultierende, neue Kurs ist die Antwort auf die Frage, wie viele BTC sich auf der Angebots- und Nachfrageseite zu den einzelnen Preisniveaus gegenüberstehen.

Bitcoin Kurs Nachfrage Angebot
18.700$ 1 BTC Limit
19.000$ 0,1 BTC Limit 0,8 BTC Limit
19.200$ 0,3 BTC Limit 0,1 BTC Limit
19.300$ (Marktpreis) 0,7 BTC Market 0,5 BTC Market
19.400$ 0,2 BTC Limit
19.500$ 0,4 BTC Limit

Wie daraus ein Schuh oder in unserem Fall ein Kurs wird, schauen wir uns jetzt Schritt für Schritt an.

Schritt 1: die BTC Nachfrage zu den jeweiligen Bitcoin Kursen

Zu erst wird die Käuferseite also die Nachfrage betrachtet. Dabei fangen wir beim niedrigsten Kaufgebot an und welche Menge an BTC Käufer insgesamt bereit sind, für diesen Preis zu kaufen. In unserem Fall wäre das der Preis von 18.700$. Doch wie viele BTC wollen die Käufer am Markt aktuell für 18.700$ kaufen?

Der ein oder andere wäre sicherlich verleitet, auf Anhieb 1 BTC zu schreien. Allerdings ist das nicht richtig. Schließlich haben wir noch bei 19.000$ eine Limit Order von 0,1 BTC und bei 19.200$ eine Limit Order in Höhe von 0,3 BTC. Die Limit Orders sagen in diesem Fall aus, dass die Käufer die gefragte Menge an BTC für diese Preise oder niedrigere Preise kaufen wollen. Das schließt natürlich auch 18.700$ mit ein.

Hinzukommt die Market Order für 0,7 BTC. Der Käufer hat durch seine Market Order nämlich signalisiert, dass der Preis für ihn zweitrangig ist und er einfach nur so schnell wie möglich in den Markt einsteigen möchte. Dementsprechend haben wir also bei einem Preis von 18.700$ eine Nachfrage in Höhe von insgesamt 2,1 BTC. In der Theorie würde also bei einem Bitcoin Kurs von 18.700$ die gesamte Nachfrage-Seite BTC kaufen wollen.

Das gleiche Prozedere führen wir nun auch für alle unsere Preislevel durch und erhalten damit die jeweilige Nachfrage zu jedem Kurs einzeln betrachtet.

Bitcoin Kurs Nachfrage
18.700$ 2,1 BTC
19.000$ 1,1 BTC
19.200$ 1 BTC
19.300$ (Marktpreis) 0,7 BTC
19.400$ 0 BTC
19.500$ 0 BTC

Schritt 2: das BTC Angebot zu den jeweiligen Bitcoin Kursen

Nun betrachten wir die Angebotsseite. Das Prinzip ist ähnlich wie in Schritt 1 zur Berechnung der Nachfrage, nur das wir zur Ermittlung des Angebots uns natürlich die „Angebot“-Spalte anschauen und mit der untersten Zeile beginnen. In unserem Fall also bei 19.500$. Auch hier gilt wieder zu beachten, dass alle Limit Orders und Market Orders unterhalb dieses Preises natürlich auch nichts dagegen hätten, mehr für ihre BTC zu bekommen. Dementsprechend gibt es bei einem theoretischen Bitcoin Kurs von 19.500$ nicht nur ein Angebot von 0,4 BTC sondern in Höhe von 2 BTC. Dies entspricht der akkumulierten Menge aller Verkäufer.

Nach dieser Logik arbeiten wir uns Zeile für Zeile nach oben, bis wir analog zur Nachfrageseite auch die jeweilige Menge an BTC zu den jeweiligen Preisniveaus auf der Angebotsseite bestimmt haben.

Bitcoin Kurs Nachfrage Angebot
18.700$ 2,1 BTC 0 BTC
19.000$ 1,1 BTC 0,8 BTC
19.200$ 1 BTC 0,9 BTC
19.300$ (Marktpreis) 0,7 BTC 1,4 BTC
19.400$ 0 BTC 1,6 BTC
19.500$ 0 BTC 2 BTC

Schritt 3: Den bestmöglichen Umsatz zu dem jeweiligen Bitcoin Kurs ermitteln

In diesem Schritt ermitteln wir, zu welchem Preis theoretisch wie viele BTC den Besitzer wechseln würden. Hier berechnen wir von oben nach unten für jede Zeile den bestmöglichen Umsatz.

In der obersten Zeile mit einem Bitcoin Kurs von 18.700$ haben wir 2,1 BTC auf der Nachfrageseite und 0 BTC auf der Angebotsseite. Dementsprechend würde hier der theoretische Umsatz 0 betragen. Springen wir als gleich in die nächste Zeile nach unten, finden wir bei einem Preis von 19.000$ eine Nachfrage in Höhe von 1,1 BTC und ein Angebot von 0,8 BTC. Dementsprechend wäre hier ein theoretischer Umsatz in Höhe von 0,8 BTC möglich.

So verfahren wir auch bei allen weiteren Preisniveaus und erhalten dadurch die folgende Tabelle.

Bitcoin Kurs Nachfrage Angebot Umsatz
18.700$ 2,1 BTC 0 BTC 0 BTC
19.000$ 1,1 BTC 0,8 BTC 0,8 BTC
19.200$ 1 BTC 0,9 BTC 0,9 BTC
19.300$ (Marktpreis) 0,7 BTC 1,3 BTC 0,7 BTC
19.400$ 0 BTC 1,5 BTC 0 BTC
19.500$ 0 BTC 1,9 BTC 0 BTC

Letzter Schritt: Ermittlung des neuen Bitcoin Kurses

Nachdem wir im vorigen Schritt alle Umsätze zu den jeweiligen theoretischen Preisen berechnet haben, können wir mit Hilfe dieser Zahlen den neuen Bitcoin Kurs bestimmen, der sich aus dem aktuellen Angebot und der aktuellen Nachfrage ergibt.

Alle Börsen sind so ausgerichtet, dass sie zu jedem Zeitpunkt den Kurs ermitteln, bei dem Angebot und Nachfrage bestmöglich ausgeglichen werden. In anderen Worten wird die Börse den Kurs so anpassen, dass sie den größten Umsatz erzielt.

In unserem konkreten Beispiel wäre das der Bitcoin Kurs bei 19.200$ mit einem Umsatz in Höhe von 0,9 BTC. Dementsprechend würde aufgrund des Angebots und der Nachfrage der Bitcoin Kurs von 19.300$ auf 19.200$ fallen und 0,9 BTC den Besitzer wechseln.

Nachdem wir nun im Detail verstanden haben, wie der aktuelle Kurs hergeleitet werden kann, wollen wir analysieren, welche Erkenntnisse wir daraus für unser Trading gewinnen können.

Erkenntnisse für das Trading

Folgende Erkenntnisse können aus der Berechnung des Kurses gewonnen werden:

1. Die Börse interessiert nur die Menge und behandelt die Aufträge nicht personenbezogen. Dementsprechend kann es auch zu Teilausführungen kommen, bei dem beispielsweise eine Limit Order nur zu einem gewissen Prozentsatz und nicht vollständig erfüllt wird.

2. Der Umsatz ist nicht mit den Order-Größen zu verwechseln. Es kann also beispielsweise zu Auftragsgrößen von 1.000 BTC, aber lediglich ein Umsatz von 5 BTC kommen. In diesem Fall könnten alle restlichen Aufträge stunden- oder sogar tagelang offen bleiben. Deswegen ist Liquidität für den Trader das oberste Gebot bei der Auswahl der Börse, denn diese bemisst sich vor allem am Umsatz. Im Umkehrschluss sind illiquide Vermögenswerte/ Börsen für das Trading ungeeignet.

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