Der Trend und sein Konzept ist absolut unverzichtbar für die technische Chartanalyse. All die Hilfsmittel für die technische Chartanalyse wie gleitende Durchschnitte und Trendlinien haben die einzige Aufgabe, bei der Bestimmung des Markttrends zu helfen, um von diesem Wissen profitieren zu können. Deswegen wollen wir uns in diesem Artikel ansehen und definieren, was ein Trend ist. Anschließend können wir ihn in einige Kategorien unterteilen und klassifizieren und wir zeigen dir, wie du den für dich und deinen Trading-Stil relevanten Trend findest.

Was ist ein Trend?

In einem allgemeinen Sinn ist der Trend einfach die Richtung des Marktes, in der er sich bewegt. Doch wir brauchen eine präzisere Definition, um damit zu arbeiten. Märkte bewegen sich nicht geradlinig in ausschließlich einer bestimmten Richtung. Marktbewegungen werden charakterisiert durch eine Serie von Gipfeln und Tälern. Entscheidend ist dabei ihre Richtung, denn diese konstruiert einen Markttrend.

Es können am Markt insgesamt drei Richtungen unterschieden werden: aufwärts, abwärts oder seitwärts. Die jeweilige Richtung verrät uns den Trend des Marktes. Ein Aufwärtstrend wird schlussfolgernd durch eine Abfolge von nach und nach höheren Gipfeln und Tälern charakterisiert. Umgekehrt sind es bei einem Abwärtstrend eine Serie von immer niedrigeren Gipfeln und Tälern. Eine Reihe von mehr oder weniger gleich hohen Gipfeln und Tälern verweisen auf einen seitwärts gerichteten Kurstrend.

Der dritte “trendlose” Trend

Wir haben den Aufwärtstrend, Abwärtstrend und Seitwärtstrend aus einem sehr guten Grund erwähnt. Die meisten Leute tendieren nämlich dazu, anzunehmen, dass es nur zwei Trends gibt, da sich der Markt entweder aufwärts oder abwärts bewegt. Tatsache ist aber, dass sich Märkte in die drei, von uns bereits identifizierten, Richtungen bewegen. Es ist daher insbesondere für Händler wichtig zu verinnerlichen, dass sich die Kurse in mindestens 1/3 der Fälle in flachen, horizontalen Mustern bewegen. Solche Abschnitte werden auch als eine Trading Range bezeichnet.

Eine Seitwärtsbewegung entsteht in einer Periode des Gleichgewichts, in der sich Angebot und Nachfrage relativ die Waage halten. Oft werden Seitwärtsbewegungen auch als trendlos bezeichnet. Die meisten technischen Hilfsmittel und Systeme sind allerdings trendfolgend. Das bedeutet, dass sie in erste Linie für Märkte entwickelt wurden, die sich nach oben oder unten bewegen. Beispiele hierfür sind der MACD und RSI. Dementsprechend schlecht funktionieren sie, wenn Kurse in trendlose Phasen also Seitwärtsbewegungen übergehen. Insbesondere in Zeiten wie diesen erleben technische Trader ihre größten Frustrationen und Systemtrader verzeichnen ihre größten Verluste.

Die Klassifikationen des Trends

Zusätzlich zu den drei Richtungen, die ein Trend haben kann, wird er auch in drei Kategorien klassifiziert. Diese Kategorien sind der langfristige, mittelfristige und kurzfristige Trend.

Auch wenn nur zwischen diesen drei Bezeichnungen unterschieden wird, gibt es de facto eine unendliche Anzahl von Trends. Sie alle interagieren miteinander, von dem extrem kurzfristigen Trend, der nur wenige Minuten oder Stunden anhalten kann, bis hin zu superlangen Trends, die fünfzig Jahre oder länger anhalten können. Die meisten technischen Analysten begrenzen die Trendklassifikation allerdings auf die obigen drei. Dadurch schwingt oft eine gewisse Mehrdeutigkeit mit. So ist oft unklar, welche Zeitdauer beispielsweise den mittelfristigen Trend definieren.

Grundsätzlich gilt allerdings, dass der mittelfristige Trend eine Korrektur des langfristigen Trends und der kurzfristige Trend eine Korrektur im mittelfristigen Trend darstellt. Dies zu verinnerlichen ist für Trader und Anleger, die einen guten Einstieg suchen, wichtig.

Wie aber bereits angerissen, entstehen gewisse Missverständnisse aus der unterschiedlichen Wahrnehmung verschiedener Trader, was mit einem Trend gemeint ist. Für einen langfristig orientierten Händler werden die Kursbewegungen weniger Tage bis zu wenigen Wochen unbedeutend erscheinen. Für einen Day Trader hingegen wird ein Kursanstieg von zwei oder drei Tagen bereits einen primären Aufwärtstrend bilden. Dadurch wird schnell klar, dass es für jeden Händler selbst wichtig zu identifizieren ist, welche die für ihn bedeutenden Trends sind.

Beispiel:

Identifizierst du beispielsweise deine Handelsgelegenheiten auf dem Tages-Chart, dann ist dieser deine Basis – quasi deine goldene Mitte. Entsprechend wirst du die hier eindeutig zu identifizierenden Trends als mittelfristigen Trend wahrnehmen. Um Einstiege zu suchen, würdest du auf dem 1- oder 4-stündigen Chart wechseln, um den kurzfristigen Trend zu identifizieren. Der Wochen-Chart hingegen zeigt dir den übergeordneten, also für dich langfristigen Trend. Langfristig orientierte Investoren würden wahrscheinlich eher den Monats-Chart als ihre Basis und damit Heimat des für sie mittelfristigen Trends bezeichnen, während sie Einstiege auf dem Wochen-Chart und den langfristigen Trend auf dem Jahres-Chart identifizieren.

Du merkst also schnell, dass es hier sehr schnell zu Abweichungen der individuellen Definitionen kommen kann. Entscheidend ist hierbei der Zeithorizont. Dein Zeithorizont bestimmt die für dich relevanten Trends.

Wie du die für dich relevanten Trends identifizierst

Es ist vielleicht weniger verwirrend, wenn du den für dich relevanten Trend einfach als solchen bezeichnet, ohne ihm eine bestimmten Namen zu geben. Den für dich relevanten Trend identifizierst du, indem du überlegst, wie lange du deinen durchschnittlichen Trade offen lassen möchtest. Handelt es sich beispielsweise um mehrere Wochen bis zu wenigen Monaten, ist wahrscheinlich der Tages-Chart deine Basis, auf Grundlage welcher du den für dich relevanten Trend identifizierst. Dies ist der Chart anhand welchem du neue Handelsgelegenheiten erkennst. Lässt du deine Position nur wenige Stunden offen, markiert einer der Minuten-Charts wahrscheinlich deine Basis und zeigt den Trend, an dem du dich orientierst.

Ganz egal, welches Zeitintervall zu deinem Trading-Stil passt, es bietet sich fast immer an, gleichzeitig die dazugehörigen ober- und untergeordneten Trends zu definieren. Der untergeordnete Trend hilft dir dabei, möglichst gute Einstiege zu finden, während der übergeordnete Trend dir signalisiert, wie risikoreich dein Trade ist. So haben Positionen in Richtung der übergeordneten Trends, statistisch gesehen, durchschnittlich eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Das soll nicht heißen, dass du nicht auch gegen den übergeordneten Trend wetten darfst, aber es ist wichtig zu wissen, dass dies grundsätzlich risikoreicher ist. Entsprechend solltest du dein Risiko-Management anpassen.

Um den untergeordneten Trend zu identifizieren, wechsle einfach auf einen Chart mit entsprechend kleineren Zeitintervallen. Diese müssen natürlich in einem gesunden Verhältnis zu deiner Basis stehen. So hilft es dir wenig, auf dem 1-Minuten-Chart den kurzfristigen Trend zu suchen, wenn du deine Handelsentscheidungen auf dem Tages-Chart identifizierst. Vielmehr würde sich hier der 1- oder 4-Stunden-Chart anbieten.

Um den für dich relevanten übergeordneten Trend zu definieren, gehst du genauso vor, nur natürlich in umgekehrter Richtung. Das heißt, dass du auf einen Chart mit höheren Zeitintervallen wechselst. Für den Händler auf dem Tages-Chart wäre das beispielsweise der Wochen-Chart.