Risikomanagement klingt erstmal nach einer „Spaßbremse“. In Wahrheit ist es der einzige Grund, warum manche Trader nach 12 Monaten noch ein Konto haben – und andere nach zwei schlechten Trades wieder bei null starten. Denn im Krypto-Markt entscheidet nicht, ob du ab und zu richtig liegst. Entscheidend ist, wie viel du verlierst, wenn du falsch liegst – und wie oft du dir diesen Fehler leisten kannst, ohne aus dem Markt zu fliegen.

Gerade beim Krypto-Trading und insbesondere mit Hebel ist das tückisch: Der Einstieg fühlt sich wie das Wichtigste an, aber der echte Hebel liegt woanders – in Positionsgröße, Stop-Loss, Kosten und klaren Regeln für den Moment, in dem der Markt „plötzlich anders“ spielt. Wenn du diese Mechanik einmal verstanden hast, tradest du nicht mehr gegen dein eigenes Konto, sondern mit einem System, das auch eine Verlustserie überlebt.

In diesem Artikel bekommst du genau dafür ein praktisches Framework: Wie du Positionsgrößen sauber berechnest, Stops sinnvoll setzt, deinen Break-even kennst und am Ende dein persönliches Risikomanagement als Regelwerk formulierst – so, dass es jeder kinderleicht anwenden und Handeln wie ein Profi kann.

Positionsgröße festlegen

Position Sizing bedeutet übersetzt nichts anderes als „Positionsgröße festlegen“. Also die Frage: Wie groß darf dein Trade überhaupt sein, damit du nicht nach ein oder zwei Fehlern aus dem Markt fliegst?

Gerade beim Krypto-Trading mit Hebel, also dem Leverage-Trading, ist das extrem wichtig, weil nicht dein Einstieg über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern dein Risiko pro Trade. Das Ziel ist immer gleich: Du willst nur einen kleinen, kontrollierten Teil deines Kapitals riskieren. So wenig, dass dich ein einzelner Verlust (oder auch mehrere hintereinander) nicht dein gesamtes Kapital kostet. Genau das trennt langfristige Trader von Zockern.

Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb: Erst das Risiko festlegen, dann die Positionsgröße. Viele Anfänger machen es andersherum: Sie sehen einen Coin, wählen einen hohen Hebel und setzen „nach Gefühl“ einen Betrag ein. Das Problem dabei ist, dass sie erst im Nachhinein merken, wie viel sie wirklich verlieren können. Eine saubere Positionsgrößen-Strategie funktioniert umgekehrt: Du entscheidest zuerst, wie viel du maximal verlieren darfst, und berechnest daraus die passende Ordergröße. Hierfür gibt es verschiedene mögliche Ansätze.

Fixed-Fractional Methode

Eine sehr beliebte Methode dafür ist die sogenannte Fixed-Fractional Methode, auch bekannt als „Prozent-Methode“. Das bedeutet: Du riskierst bei jedem Trade immer denselben Prozentsatz deines Kontos, zum Beispiel 1 %. Wenn du also ein Konto mit 10.000 € hast und pro Trade 1 % riskierst, bedeutet das: Du darfst in diesem Trade maximal 100 € verlieren, wenn dein Stop-Loss ausgelöst wird. Diese 100 Dollar sind dein sogenanntes Risikobudget für diesen einen Trade.

Damit du daraus eine konkrete Positionsgröße machen kannst, brauchst du als Nächstes deinen Stop-Loss. Denn der Stop entscheidet, wie weit der Preis gegen dich laufen darf, bevor du den Trade beendest. Und genau diese Distanz ist der Schlüssel zur Rechnung: Je enger dein Stop, desto größer darf die Position sein. Je weiter dein Stop, desto kleiner muss die Position sein. Die Grundformel ist simpel:

Risikobudget ÷ Stop-Distanz = Positionsgröße.

Ein Beispiel:

Du tradest Bitcoin, dein Konto hat 10.000 € und du riskierst 1 % pro Trade, also 100 €. Du setzt deinen Stop-Loss 5 % unter deinen Einstieg. Dann lautet die Rechnung: 100 € ÷ 0,05 = 2.000 € Positionsgröße. Mit 5× Hebel würdest du dafür nur 400 € Margin brauchen, aber dein tatsächliches Risiko bleibt trotzdem exakt bei 100 €, denn wenn der Stop getroffen wird, schließt du mit diesem Verlust.

Genau das ist der Sinn hinter dieser Methode: Du kontrollierst deine Verluste, egal ob du mit Hebel handelst oder nicht.

Der große Vorteil dieser Prozent-Methode ist, dass sie dich automatisch diszipliniert. Du wirst nicht plötzlich „all-in“ gehen, nur weil du dich sicher fühlst. Und sie schützt dich auch mathematisch: Kleine Verluste sind leicht wieder aufzuholen. Ein Minus von 1 % benötigt nur etwas über 1 % Gewinn, um wieder auf null zu kommen. Bricht dein Kapital hingegen um 50 % ein, braucht es 100 % Gewinn, damit sich dieses von dem Verlust erholt. Deshalb ist es so wichtig, dass einzelne Trades niemals zu groß werden.

Der Nachteil ist allerdings: Diese Methode berücksichtigt nicht, wie stark ein Coin schwankt. Und genau das ist im Kryptomarkt ein Riesenpunkt. Eine 2 %-Bewegung bei Bitcoin ist oft „normal“. Bei kleinen Altcoins können 2 % aber innerhalb von Minuten passieren. Das bedeutet: Du würdest mit der gleichen Prozent-Regel manchmal unbewusst viel riskanter traden, weil der Markt einfach viel volatiler ist. Genau hier kommt eine zweite Methode ins Spiel: Positionsgrößen nach Volatilität.

Volatility-Targeted Sizing

Bei der Methode des Volatility-Targeted Sizing passt du deine Positionsgröße an die Schwankungen des Marktes an. Das Ziel ist: Du willst bei weniger volatilen Coins größer und bei volatileren Coins automatisch kleiner traden können. Dafür nutzen Trader Messwerte wie ATR (Average True Range) oder die Standardabweichung (σ). Wenn beispielsweise Vermögenswert A in der Regel täglich um ±1 % und Vermögenswert B um ±5 % schwankt, würdest du eine kleinere Position in B einnehmen, damit eine „normale” Schwankung in B nicht mehr Schaden anrichtet als eine normale Schwankung in A.

Keine Sorge: Du musst dich nicht in die Tiefen der Mathematik begeben, um diese Methode anwenden zu können. Stell dir ATR einfach als grobes Maß dafür vor, wie stark ein Coin in den letzten Tagen typischerweise geschwankt ist.

Wenn ein Coin im Durchschnitt pro Tag um 3 % schwankt, setzt du deinen Stop zum Beispiel 3 % entfernt. Dann rechnest du wieder:

Risikobudget ÷ Stop-Distanz = Positionsgröße.

Beispiel:

  • Konto 5.000 €, Risiko 1 %, also 50 €.
  • ATR-basierter Stop bei 3 %: 50 € ÷ 0,03 = 1.667 € Positionsgröße.

Wenn der Markt aber deutlich volatiler ist und die typische Schwankung eher 10 % beträgt, wäre deine Positionsgröße nur 50 € ÷ 0,10 = 500 €. Das Risiko bleibt dadurch gleich, indem die Position kleiner wird. Genau das verhindert, dass dich normale Marktschwankungen „zufällig“ aus dem Trade werfen.

Anpassung der Positionsgröße bei Veränderungen der Volatilität

Krypto-Märkte sind berüchtigt für abrupte „Regimewechsel“. Damit ist gemeint: Der Markt kann wochenlang ruhig und seitwärts laufen – und dann innerhalb weniger Stunden in eine Phase übergehen, in der die täglichen Schwankungen plötzlich explodieren. Genau in solchen Phasen verlieren Anfänger oft am meisten, obwohl sie „nichts anders gemacht haben“. Der Grund ist simpel: Eine Strategie, die in ruhigen Märkten funktioniert, kann in hoher Volatilität automatisch viel riskanter werden. Deshalb muss dein Risiko-Management flexibel genug sein, um sich an diese Wechsel anzupassen. Hier sind praktische Regeln, die genau dafür gedacht sind:

  • In hoher Volatilität Risiko und Hebel reduzieren:

Wenn bedeutende News reinkommen oder die Schwankungen plötzlich deutlich zunehmen (z. B. wenn Bitcoin anstatt 2–3 % am Tag plötzlich 8–10 % pendelt), solltest du dein Risikobudget pro Trade sofort herunterfahren. Der einfachste Hebel ist: Riskiere in turbulenten Phasen nur die Hälfte deines normalen Prozentsatzes. Wenn du sonst 1 % pro Trade riskierst, geh in einer volatilen Woche auf 0,5 % runter. Das fühlt sich zunächst langweilig an, schützt dich aber davor, dass einzelne ungewöhnlich große Bewegungen dein Handelskonto zu stark beschädigen.

Zusätzlich ist es oft sinnvoll, den maximalen Hebel temporär zu senken – zum Beispiel von 10× auf 5×. Warum? Weil der Preis in unruhigen Märkten viel schneller und weiter gegen dich laufen kann, bevor dein Stop erreicht wird. Weniger Hebel bedeutet mehr Puffer und weniger Risiko, dass du durch schnelle Bewegungen in eine Liquidation rutschst oder dein Stop zu unvorteilhaft ausgeführt wird.

  • Korrelationen beobachten, weil „alles gleichzeitig fällt“:

In ruhigen Marktphasen bewegen sich Coins oft relativ unabhängig voneinander. Dann kann es Sinn machen, mehrere Trades parallel zu halten, weil es insbesondere im Altcoinmarkt immer wieder Ausreißer gibt. In volatilen Phasen ändert sich das häufig: Plötzlich läuft der Markt „als Bündel“. Das bedeutet: Coins, die sonst wenig miteinander zu tun haben, fallen gleichzeitig. Einfach weil allgemein Risiko aus dem Markt gezogen wird.

Genau dadurch entsteht ein verstecktes Problem: Zwei Trades mit einem Risiko von jeweils 1 % können unbeabsichtigt zu einem Risiko von 2 % (oder mehr) werden, wenn sie stark korrelieren und damit gegen deine Regeln zum Risikomanagement verstoßen.

Die Lösung ist simpel: Wenn der Markt stark korreliert, reduziere entweder die Positionsgrößen oder die Anzahl paralleler Trades. Das Ziel ist, dass du nicht unbewusst eine „Wette auf den gesamten Markt“ eingehst, obwohl du dachtest, du hättest mehrere unabhängige Positionen.

  • Dynamische Modelle für fortgeschrittene Händler:

Manche Trader verwenden dynamische Modelle wie das Kelly-Kriterium, um Positionsgrößen anhand von Trefferquote und Chance-Risiko-Verhältnis zu berechnen.

Die klassische Kelly-Formel lautet:

f* = (b · p − q) / b

Dabei gilt:

  • p = Wahrscheinlichkeit zu gewinnen (Winrate)
  • q = Wahrscheinlichkeit zu verlieren (q = 1 − p)
  • b = Gewinn/Verlust-Verhältnis (Payoff), z. B. b = 2, wenn der durchschnittliche Gewinn doppelt so groß ist wie der durchschnittliche Verlust

In der Theorie kann das sinnvoll sein, in der Praxis hat es aber zwei Probleme:

  • Erstens überschätzen Trader oft, wie sicher ihre Daten wirklich sind (deine „Edge“ ist selten so stabil, wie die Formel annimmt).
  • Zweitens berücksichtigt es extreme Ausreißer („Tail Risks“) im Krypto-Markt nicht gut. Also genau diese plötzlichen Ereignisse, die für Kryptowährungen und ihre Preise typisch sind.

Deshalb nutzen viele Profis maximal eine abgeschwächte Version („Fractional Kelly“, z. B. halbieren sie das Ergebnis oder dritteln es).

Fazit zur Bestimmung der Positionsgröße

Unterm Strich gilt: Wer Hebel nutzt, braucht eine klare Positionsgrößen-Logik. Du willst nicht jedes Mal neu raten oder hoffen, dass „dieser Trade bestimmt klappt“. Du willst ein System, das auch dann funktioniert, wenn du fünfmal hintereinander falsch liegst.

Genau das erreichst du, wenn du zuerst dein Risikobudget definierst und daraus deine Positionsgröße ableitest. Für Anfänger lautet die klare Empfehlung: Bleib bei festen Prozent-Regeln oder volatilitätsbasierten Regeln. Die sind weniger elegant, aber deutlich robuster – und genau das ist das wichtigste Ziel, wenn du möchtest, dass dein Kapital auf deinem Handelskonto langfristig überlebt.

Im nächsten Schritt geht es dann darum, wie du Stop-Loss sinnvoll setzt und welchen Hebel du überhaupt wählen solltest, damit beides zusammenpasst.

Stopps, Exits und Liquidationspuffer

Egal wie gut deine Strategie ist: Du wirst falsch liegen. Nicht manchmal, sondern regelmäßig. Genau deshalb brauchst du beim Trading klare Regeln dafür, wann du aus einem Trade wieder rausgehst. Dazu gehören Stop-Loss-Aufträge, feste Exit-Regeln und – ganz wichtig beim Leverage-Trading – ein Sicherheitsabstand zur Liquidation, um eine Zwangsliquidierung in jedem Fall zu vermeiden.

Wie du den richtigen Stop-Loss wählst

Ein Stop-Loss bedeutet ganz einfach: Du entscheidest vor dem Einstieg, bei welchem Kurs du den Trade beendest, falls er gegen dich läuft. So verhinderst du, dass aus einem kleinen Fehler ein großer Verlust wird.

Noch wichtiger ist aber der zweite Teil: Dein Stop-Loss sollte im besten Fall deutlich vor dem Liquidationspreis liegen. Der Liquidationspreis ist nämlich die Grenze, ab der die Börse deine Position automatisch schließt, weil deine Margin nicht mehr ausreicht. Wenn du zu aggressiv hebelst, kann es passieren, dass nicht mehr du selbst kontrollierst, wann du deine Position auflöst, sondern dass die Börse dich aus dieser „rausschmeißt“.

Damit du einen Stop-Loss richtig nutzen kannst, musst du zuerst verstehen, dass es verschiedene Stop-Arten gibt. Sie funktionieren ähnlich, haben aber unterschiedliche Vor- und Nachteile. Vor allem in schnellen Krypto-Märkten.

Stop-Market

Ein Stop-Market ist die einfachste und meist sicherste Variante für Anfänger. Sobald der Stop-Kurs erreicht wird, wird automatisch eine Market-Order ausgelöst. Das bedeutet: Deine Position wird garantiert geschlossen.

Der Nachteil ist, dass der Ausführungspreis schlechter sein kann als geplant. Insbesondere, wenn sich der Markt sehr schnell bewegt oder die Liquidität gering ist. Dieses Problem nennt man Slippage.

Beispiel:

Du setzt den Stop bei Bitcoin bei 80.000 $, aber der Kurs springt innerhalb von Sekunden auf 79.500 $. Dann verkauft die Börse zum nächstbesten Preis, also ungefähr bei 79.500 $. Du bist zwar sicher raus, aber mit etwas mehr Verlust als erwartet.

Stop-Limit

Ein Stop-Limit funktioniert anders. Hier wird bei Erreichen des Stop-Levels keine Market-Order ausgelöst, sondern eine Limit-Order. Das bedeutet: Du definierst einen Mindestpreis, zu dem du verkaufen willst.

Der Vorteil ist, dass du damit verhinderst, dass deine Position zu einem schlechteren Preis als von dir angegeben aufgelöst wird (gesetzt den Fall, dass sie nicht zwangsliquidiert wird). Der Nachteil ist allerdings: Es gibt keine Ausführungsgarantie.

Wenn der Kurs zu schnell unter dein Limit fällt, bleibt deine Order ungefüllt und du sitzt weiter in der Position, obwohl du sie eigentlich schon verlassen wolltest. Gerade in schnellen Crash-Bewegungen kann das extrem gefährlich sein, weil sich die Verluste dann unkontrolliert ausweiten. Du bleibst in einem solchen Extremfall nämlich so lange in der Position, bis der Kurs auf deinen Limit-Preis steigt. Fällt er aber weiter, geht deine Position weiter in unkontrollierte Verluste.

Trailing Stop

Ein Trailing Stop ist eine dynamische Stop-Variante, die sich automatisch mit dem Kurs mitbewegt. Der Stop „zieht nach“, sobald sich der Trade in deine Richtung entwickelt. Das ist vor allem dann praktisch, wenn du Gewinne absichern willst, ohne ständig manuell nachzusteuern.

Beispiel:

Du setzt einen Trailing Stop von 5 %. Steigt der Kurs auf ein neues Hoch, wandert der Stop automatisch 5 % darunter nach oben. Fällt der Kurs dann wieder um diese 5 %, wirst du automatisch ausgestoppt und nimmst die Gewinne mit. Das kann in starken Trends sehr nützlich sein, hat aber auch einen Nachteil: In Krypto sind schnelle Rücksetzer normal, wodurch du oft „zu früh“ rausfliegst, obwohl der Trend danach weiterläuft.

Wie du den richtigen Stop-Loss setzt

Mindestens genauso entscheidend wie die Art des Stop-Loss ist die Frage: Wo platzierst du deinen Stop-Loss überhaupt?

Viele Anfänger setzen ihn einfach „irgendwo“, damit sie überhaupt einen Stop haben. Das ist besser als gar kein Stop-Loss, aber auf Dauer nicht optimal. Denn der Stop-Loss sollte nicht nur deine Verluste begrenzen. Er sollte auch logisch zu deiner Trade-Idee passen.

Stop-Loss auf Basis technischer Level

Eine gängige Methode ist, Stops an technischen Levels auszurichten. Das bedeutet: Du platzierst deinen Stop knapp unter einer Unterstützung oder unter einem vorherigen Tief. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn der Kurs dieses Level bricht, ist deine ursprüngliche Annahme wahrscheinlich falsch.

Beispiel:

Bitcoin prallt mehrmals bei 80.000 Dollar nach oben ab. Dann wäre es logisch, den Stop nicht genau auf 80.000 zu setzen (weil runde Zahlen oft „abgefischt“ werden), sondern etwas darunter – zum Beispiel 79.750. So gibst du dem Markt etwas Luft, ohne deine Idee unnötig lange zu halten, wenn sie klar invalidiert wurde.

Stop-Loss auf Basis der Volatilität

Eine zweite Methode ist, deinen Stop-Loss nach der Volatilität auszurichten. Denn ein Stop-Loss, der bei einem ruhigen Markt perfekt sitzt, kann bei einem volatilen Markt ständig ausgelöst werden.

Hier nutzen Trader oft den ATR-Indikator (Average True Range), der grob misst, wie stark ein Coin in der letzten Zeit typischerweise schwankt. Ein häufig genutztes Prinzip lautet:

Stop = Einstieg minus 2× ATR (bei Long-Trades).

In ruhigen Phasen kann das vielleicht nur 3–4 % Abstand sein, in unruhigen Phasen aber 10 % oder mehr. Das bedeutet: Je stärker der Markt schwankt, desto weiter muss dein Stop weg und desto kleiner muss dafür deine Positionsgröße werden, damit dein Risiko gleich bleibt.

Genau hier liegt der wichtigste Zielkonflikt beim Setzen deines Stop-Loss: Ein enger Stop begrenzt deine Verluste, wird aber viel häufiger durch normale Kursbewegungen ausgelöst. Ein weiter Stop gibt dir mehr Luft und erhöht oft die Trefferquote, kostet aber mehr Risiko pro Trade und zwingt dich zu kleineren Positionen.

Welche Variante besser ist, hängt davon ab, wie du tradest: Trend-Trader nutzen oft größere Stops, kurzfristige Trader kleinere. Was du jedoch nie tun solltest: Einen Stop-Loss mitten im Trade nach unten „weiter wegziehen“, nur um einen Verlust nicht zu akzeptieren. Das ist eine der häufigsten Ursachen, warum kleine Verluste später zu großen werden.

Hebelwirkung vom Stop-Loss aus einstellen

Wenn du mit Hebel tradest, solltest du den Hebel nicht einfach „nach Gefühl“ einstellen oder das Maximum der Börse ausreizen. Stattdessen gilt eine viel wichtigere Regel: Der Hebel muss zu deinem Stop-Loss passen. Denn dein Stop ist dein geplanter Ausstieg, während eine Liquidation der ungeplante Worst Case ist. Genau deshalb solltest du den Trade so aufbauen, dass dein Stop-Loss greift, lange bevor deine Margin überhaupt in Gefahr gerät.

Die Grundidee ist simpel: Je höher der Hebel, desto schneller wird ein kleiner Kursrückgang zu einem großen Verlust auf dein eingesetztes Kapital. Das kann dazu führen, dass du zwar einen Stop gesetzt hast, aber trotzdem in eine gefährliche Zone rutschst, in der Slippage, schnelle Spikes oder technische Verzögerungen dich in Richtung Liquidation drücken. Deshalb lautet die wichtigste Sicherheitsregel beim Hebel-Trading: Kalibriere deinen Hebel so, dass die Liquidation weit genug entfernt bleibt.

Der Vorteil eines großzügigen Puffers zwischen Stop-Loss und Liquidationspreis ist die Vermeidung der Liquidationsgebühren.

Die Quintessenz ist damit eines der wichtigsten Prinzipien überhaupt: Du setzt nicht zuerst den Hebel und suchst dann einen Stop. Du setzt zuerst den Stop und leitest daraus den Hebel ab. Oder kurz gesagt: „Bestimme deinen Hebel von deinem Stop-Loss aus“. Dein Risikobudget, deine Stop-Distanz und deine Positionsgröße bestimmen, wie aggressiv du überhaupt hebeln darfst – nicht das, was die Börse maximal anbietet.

Gutes Risikomanagement berücksichtigt die Kosten eines Trades

Beim Risiko-Management im Krypto-Trading geht es nicht nur darum, was du tradest, sondern auch darum, was dich der Trade kostet. Gerade wenn du mit Hebel handelst, kommen zusätzliche Kosten dazu, die viele Anfänger am Anfang komplett unterschätzen. Und diese Kosten sind nicht nur „ein bisschen Gebühren“, sondern sie entscheiden oft darüber, ob ein Trade am Ende überhaupt profitabel sein kann. Denn bevor du Gewinn machst, muss der Kurs erst einmal genug in deine Richtung laufen, um deine Ausgaben zu decken. Genau das ist deine sogenannte „Break-even-Hürde“.

Funding Rates

Ein großer Kostenpunkt beim Perpetual Trading sind die Funding Rates. Perpetual Swaps (kurz „Perps“) haben keine feste Laufzeit und sollen im Preis möglichst nah am Spot-Markt bleiben. Damit das funktioniert, gibt es regelmäßige Funding-Zahlungen – meist alle 8 Stunden.

Wenn der Perp-Preis über dem Spot-Preis liegt, zahlen Long-Trader eine Gebühr an Short-Trader. Liegt der Perp-Preis darunter, zahlen Short-Trader an Long-Trader. Wichtig ist: Diese Funding Rates ändern sich ständig und können je nach Marktlage sehr harmlos oder extrem teuer sein. Ein scheinbar kleiner Funding-Satz wie 0,01 % pro 8 Stunden klingt nach nichts, kann aber bei großen Positionen schnell spürbar werden. Auf eine Position von 50.000 € wären das schon 5 € pro Funding-Intervall. Und in volatilen Phasen kann Funding auch auf 0,1 % oder mehr steigen – das wären dann bis zu 0,3 % pro Tag, wenn du mehrere Intervalle hältst.

Deshalb ist es sinnvoll, vor einem Trade nicht nur die aktuelle Funding Rate zu checken, sondern auch den Durchschnitt der letzten Wochen, wenn du die Position länger halten willst.

Handelsgebühren

Der zweite Punkt sind die Handelsgebühren der Börse. Viele Plattformen nutzen ein Maker-Taker-Modell. Das bedeutet: Wenn du mit einer Market-Order sofort Liquidität nimmst, zahlst du oft höhere Gebühren (Taker Fees). Wenn du mit einer Limit-Order Liquidität ins Orderbuch stellst, zahlst du meist weniger oder manchmal sogar gar nichts (Maker Fees). Gerade für aktive Trader macht das einen großen Unterschied.

Beispiel: Du handelst eine Position von 10.000 € und zahlst als Taker 0,075 % pro Trade. Dann kostet dich das 7,50 € beim Einstieg und nochmal 7,50 € beim Ausstieg. Insgesamt also 15 €, obwohl der Kurs sich vielleicht kaum bewegt hat. Deshalb nutzen erfahrene Trader, wenn möglich, lieber Limit-Orders. Nicht weil sie „schöner“ sind, sondern weil sie dauerhaft Rendite retten.

Wichtig: Vom Öffnen bis zum Schließen einer Position fallen die Handelsgebühren zweimal an.

Spread und Slippage

Dann kommt ein Punkt, der oft nicht als Kosten wahrgenommen wird, aber real Geld frisst: Spread und Slippage.

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis im Orderbuch. Slippage bedeutet, dass du nicht exakt zu dem Preis ausgeführt wirst, den du erwartest. Besonders in schnellen Märkten oder bei Coins mit wenig Liquidität kann es dort zu Abweichungen kommen. Wenn du in einem illiquiden Markt eine große Order platzierst, kann es passieren, dass du mehrere Preislevel „auffrisst“ und dein durchschnittlicher Einstieg deutlich schlechter wird.

Trading Chart auf einem Computer Bildschirm

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Break-even-Punkt berücksichtigen

Damit du ein Gefühl bekommst, wie stark diese Kosten dein Trading beeinflussen können, hilft ein Break-even-Beispiel.

Stell dir vor, du eröffnest eine Position im Wert von 20.000 €. Du nutzt dafür Hebel, aber wichtig ist: Die Kosten berechnen sich nicht nach deiner Margin, sondern nach der Positionsgröße. Nehmen wir an, du zahlst als Taker 0,05 % Gebühr beim Einstieg und 0,05 % beim Ausstieg. Das sind zusammen 0,1 % Roundtrip, also 20 € Gebühren auf 20.000 €.

Zusätzlich hältst du die Position für 24 Stunden, und die Funding Rate liegt bei 0,01 % alle 8 Stunden. Das sind drei Funding-Zeiträume, also 0,03 % insgesamt. Auf 20.000 € sind das nochmal 6 € Funding.

Und jetzt kommt Slippage dazu. Angenommen, du verlierst insgesamt 0,1 % durch Slippage, also jeweils 0,05 % beim Rein- und Rauskommen. Das wären weitere 20 €.

Insgesamt liegst du damit bei Kosten in Höhe von 46 €. Das sind bereits 0,23 % deiner Position. Das bedeutet: Der Kurs muss sich mindestens 0,23 % zu deinen Gunsten bewegen, bevor du überhaupt deinen Break-even-Punkt erreicht hast. Und erst danach beginnt dein Trade, echten Gewinn zu machen.

Für Trades, die auf größere Kursbewegungen von zweistelligen Prozentsätzen abzielen, ist das verkraftbar. Wenn du aber beispielsweise als sogenannter Day-Scalper auf sehr kleine Kursbewegungen von 1 % abzielst, dann würden dir in diesem Beispiel rund ein Viertel des potenziellen Gewinns schon alleine durch Gebühren und Funding weggefressen. Deshalb verzerren Kosten auch dein Chance-Risiko-Verhältnis: Aus „Ich riskiere 1 %, um 2 % zu gewinnen“ wird in der Praxis schnell „Ich riskiere 1 %, um netto vielleicht nur 1,7 % zu gewinnen“.

Genau deshalb gehört Kostenkontrolle genauso zum Risikomanagement wie das Setzen eines Stop-Loss oder die Festlegung der Positionsgröße. Wer langfristig erfolgreich traden will, muss nicht nur gute Trades finden, sondern auch dafür sorgen, dass er nicht ständig gegen Gebühren, Funding und Slippage ankämpft. Limit-Orders, gute Liquidität, sinnvolle Haltedauer und selektive Trades machen oft mehr Unterschied, als Anfänger am Anfang glauben.

Berechne deinen Break-Even-Punkt und berücksichtige ihn in deinem Risiko-/Ertragsverhältnis.

Baue dir deine individuelle Strategie für effektives Risikomanagement auf

An diesem Punkt haben wir bereits viele wichtige Bausteine abgedeckt: wie Leverage funktioniert, warum Positionsgröße entscheidend ist, wie Stop-Losses gesetzt werden, welche Kosten beim Trading entstehen und warum sich Märkte plötzlich komplett anders verhalten können. Der letzte Schritt ist jetzt, alles zu einem persönlichen und effektiven Risikomanagement zusammenzuführen.

Das ist im Grunde dein eigenes Regelwerk. Eine Art „Betriebsanleitung“, an die du dich konsequent hältst. Wichtig dabei: Dieser Plan sollte klar sein, schriftlich festgehalten werden (nicht nur im Kopf!) und regelmäßig überprüft werden, während du mehr Erfahrung sammelst. Hier ist eine Vorlage mit Elementen, die deine Risikomanagement-Strategie unbedingt enthalten sollte:

  • Per-Trade Risk Limit: Lege fest, wie viel Prozent deines Handelskontos du pro Trade maximal riskierst (z. B. „Ich riskiere nie mehr als 1 % meines Trading-Kapitals pro Trade.“). Diese Regel ist das Fundament für deine Positionsgröße und verhindert, dass ein einzelner Fehler dein Konto massiv schädigt. Halte dich strikt daran – ohne Ausnahme.
  • Daily Loss Cap: Definiere ein Tages- oder Wochenlimit, ab dem du aufhörst zu traden und bewusst einen Reset machst (z. B. „Wenn ich an einem Tag 3 % Realverlust erreicht habe, beende ich den Handel für den Tag.“). Das schützt dich vor Revenge-Trading und dem typischen Abwärtsstrudel, bei dem man immer mehr Trades erzwingen will. Viele erfolgreiche Trader arbeiten mit 3–5 % Tageslimit. Passe es an deine persönliche Risikotoleranz an.
  • Leverage Limits by Asset: Nicht jeder Coin verdient den gleichen Hebel. Du kannst z. B. festlegen: „Maximal 5× Hebel bei BTC/ETH, maximal 2× bei Altcoins mit geringer Liquidität.“ Damit erkennst du an, dass manche Märkte schlicht riskanter sind. Zusätzlich kannst du ein Konto-Limit setzen, damit du nicht unbemerkt mehrere Trades gleichzeitig überhebelst, denn genau so entstehen Liquidations-Kaskaden.
  • Stop-Loss Protokoll: Entscheide dich verbindlich dafür, immer mit einem Stop-Loss zu arbeiten. Wichtig ist, dass du vorher definierst, wie du Stops setzt: „Jeder Trade erhält einen Stop-Loss an einem technischen Level oder X ATR entfernt – abhängig von der Strategie.“ Und die wichtigste Regel: „Ich werde meinen Stop nicht nachträglich weiter wegziehen, sobald der Trade läuft. Ein Stop-Loss wird nur enger gezogen, um Gewinne zu schützen.“
  • Profit Take / Exit Regeln: Risikomanagement bedeutet nicht nur, Verluste zu begrenzen, sondern auch, Gewinne sinnvoll zu sichern. Lege fest, wie du bei Profit reagierst: „Wenn ein Trade +2R erreicht, nehme ich Teilgewinne mit oder ziehe den Stop auf Break-even.“ Oder: „Bei starken Trend-Trades nutze ich Trailing Stops, sobald der Trade deutlich im Gewinn ist.“ Wenn du das vorher festgelegt hast, triffst du Entscheidungen rational und nicht impulsiv im Moment.
  • Verhindere Overtrading: Definiere nicht nur, wann du tradest, sondern auch, wann du bewusst nicht tradest. Beispiele: „Keine neuen Trades während wichtiger Wirtschaftsdaten (Fed, CPI etc.)“ oder „Ich trade nicht, wenn ich müde bin, gestresst oder nach einem großen Verlust emotional geladen.“ Zusätzlich kann es helfen, eine Maximalzahl gleichzeitiger Positionen zu begrenzen, um Fokusverlust und versteckte Korrelationen zu vermeiden.
  • Hedging and Protective Moves: Falls du Hedging nutzen willst, schreib es klar auf. Zum Beispiel: „Wenn ich mehrere Altcoin-Longs halte, sichere ich das Marktrisiko teilweise über einen kleinen BTC-Short ab.“ Oder: „Ich halte keine gehebelten Positionen über Nacht oder über das Wochenende, solange ich nicht aktiv monitoren kann.“ Für Anfänger reicht oft schon eine simple Schutzregel. Wichtig ist, dass du überhaupt eine hast.
  • Trading-Journal: Führe ein Trading-Journal. Dort dokumentierst du: Idee, Einstieg, Positionsgröße, Stop, Ergebnis und die wichtigste Erkenntnis. Zum Beispiel: „Ich überprüfe mein Journal einmal pro Woche, um Regelbrüche zu erkennen und mein Risikomanagement zu verbessern.“ Das sorgt dafür, dass du aus Fehlern wirklich lernst, statt sie nur zu wiederholen.
  • Cool-off- und Reset-Regeln: Definiere klare Reset-Regeln, wenn du in eine Negativspirale kommst. Zum Beispiel: „Wenn ich mein Tagesverlust-Limit erreiche, trade ich am nächsten Tag nicht.“ Oder: „Wenn ich eine Risiko-Regel breche, trade ich die nächsten X Trades mit kleinerer Größe, bis die Disziplin wieder sitzt.“ Diese Pause ist kein Rückschritt: Sie ist eine Schutzfunktion.

Am Ende muss dein persönlicher Risikomanagement-Plan zu dir passen. Manche Menschen kommen mit Volatilität gut klar, andere werden emotional schnell unruhig. Manche können Trades den ganzen Tag überwachen, andere haben einen 9-to-5-Job und brauchen deshalb automatisch breitere Stops und konservativere Hebel. Der Punkt ist nicht Perfektion. Der Punkt ist, dass du überhaupt einen Plan hast.

Ohne Plan wirst du in Euphorie zu aggressiv und in Angst zu defensiv. Wenn du ihn aufschreibst, wird er real. Und wenn du unsicher wirst, kannst du ihn wie einen erfahrenen Mentor „nachlesen“. Mit der Zeit entsteht daraus der größte Vorteil von Risikomanagement: Du entwickelst Vertrauen in dein System. Selbst wenn du eine Verlustserie hast, weißt du bereits im Voraus, wie du sie überstehst – und genau das ist der Unterschied zwischen langfristigem Trading und einem Konto, das sich in Luft auflöst.


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