Key-Takeaway dieser Polygon- und Ethereum-News:

  • Polygon generierte an diesem Wochenende durch Polymarket höhere tägliche Gebühren als Ethereum.
  • Das Handelsvolumen explodiert, doch rund 70 % der Trader verlieren Geld, sodass sich die Gewinne auf wenige systematische Akteure konzentrieren.
  • Vitalik Buterin warnt vor einer Fehlentwicklung: Statt Erkenntnisgewinn dominiere kurzfristiges, suchtförderndes Wetten.

Kaum noch einer spricht über Polygon, zumindest bis heute. Denn nun macht die Sidechain wieder von sich reden, und zwar, indem sie nicht irgendwen, sondern ausgerechnet Ethereum bei den täglichen Transaktionsgebühren überholt hat. Auslöser dieser bemerkenswerten Leistung ist ein massiver Anstieg in der Aktivität auf dem hauseigenen Prognosemarkt Polymarket.

Doch was hier auf den ersten Blick wie eine große Erfolgsgeschichte aussieht, trifft ausgerechnet beim Ethereum-Gründer Vitalik Buterin auf Kritik. Er warnt davor, dass sich Prognosemärkte zunehmend in eine falsche Richtung bewegen. Fehlt dieser Entwicklung also die nachhaltige Substanz?

Polygon profitiert vom Polymarket-Boom

Laut den aktuellen On-Chain-Daten hat Polygon am letzten Wochenende höhere tägliche Transaktionsgebühren generiert als Ethereum selbst. So hat Polygon beispielsweise laut den Daten von Token Terminal am Samstag Transaktionsgebühren in Höhe von über 407.100 $ eingenommen, während es bei Ethereum knapp 211.800 $ waren.

Die generierten Gebühren pro Tag von Ethereum und Polygon im direkten Vergleich
Gebühren auf Ethereum und Polygon in den letzten sieben Tagen. Bildquelle: Token Terminal

Auch wenn Polygon damit in den letzten sieben Tagen trotzdem in der Summe rund 800.000 $ weniger Gebühren eingenommen hat als Ethereum, war dies bereits ein bemerkenswertes Zeichen und der Auslöser war die stark steigende Aktivität auf Polygon.

Prognosemärkte verzeichnen massive Volumina. Allein im Januar wurden dort rund 3,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt, während es im bisherigen Jahresverlauf insgesamt knapp 4,9 Milliarden waren. Polymarket, als einer der Platzhirsche in dieser Nische, zeigt dabei ein stetiges Wachstum seines umgesetzten Volumens. Dabei sind es vor allem neue, extrem kurzfristige Märkte, wie etwa Fünf-Minuten-Wetten auf minimale Kursbewegungen, die dieses Volumen zuletzt weiter angetrieben haben.

Gebühren auf Ethereum und Polygon in den letzten sieben Tagen. Bildquelle: Token Terminal

Mehr Volumen bedeutet in der Regel mehr Transaktionen und damit höhere Gebühren. Da Polymarket auf Polygon läuft, ist das dortige hohe Volumen ein direkter Gebührentreiber für das dortige Netzwerk.

Doch die Qualität dieser Aktivität ist umstritten. Eine Studie zeigt, dass rund 70 % der Polymarket-Trader langfristig Verluste erleiden. Gewinne konzentrieren sich auf eine kleine Gruppe systematischer Händler. Neue Tools ermöglichen es sogar, gezielt gegen dauerhaft verlustreiche Accounts zu wetten.

Damit entsteht ein Markt, der zwar Liquidität erzeugt, aber stark asymmetrisch verteilt ist. Polygon profitiert währenddessen kurzfristig durch Gebühren, doch die Frage bleibt, ob dieses Volumen aus nachhaltiger Nutzung oder aus hochfrequenter Spekulation stammt. Und genau hier setzt die Kritik von prominenter Seite an.

Vitalik Buterin kritisiert Prognosemärkte und schlägt einen alternativen Weg vor

Vitalik Buterin warnt davor, dass Prognosemärkte wie Polymarket in eine Richtung abdriften, die er als problematisch empfindet. Nicht, weil sie gescheitert wären, sondern weil sie einen leichten, aber fragwürdigen Weg zu einem gesteigerten Umsatz eingeschlagen haben.

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In einem aktuellen Beitrag kritisiert er, dass viele Plattformen auf schnelle, suchtfördernde Formate setzen, die kurzfristig hohe Einnahmen generieren, aber kaum langfristigen gesellschaftlichen oder informativen Mehrwert bieten.

Statt reine Wettmärkte zu bedienen, sieht Buterin beispielsweise längerfristiges Potenzial im Bereich von Hedging, bei dem Nutzer kleine erwartete Verluste in Kauf nehmen, um reale Risiken zu reduzieren, wie z. B. das Risiko von Wahlen oder zukünftigen Ausgaben. Auf dieser Logik aufbauend ermutigt er solche Plattformen dazu, „einen völlig anderen Anwendungsfall” in Betracht zu ziehen. Ein besseres, dezentralisiertes Substitut für Stablecoins.

Buterin argumentiert, dass die Menschen nicht wirklich Stablecoins wollen, sondern Preisstabilität. Der Aufbau von Kryptowährungen auf dollarbasierten Token bedeute allerdings, dass diese „letztendlich nicht wirklich dezentralisiert” seien. Seine Antwort lautet daher, „das Konzept der Währung ganz abzuschaffen” und Prognosemärkte zu nutzen, um personalisierte Aktienkörbe anzubieten, welche die zukünftigen Ausgaben eines Nutzers widerspiegeln.

Die Debatte reicht damit weit über Polygon oder Polymarket hinaus. Sie betrifft die Frage, wofür Ethereum-Infrastruktur langfristig genutzt werden soll. Auch hier hat Buterin neben dem eben erläuterten Ansatz eine genaue Vorstellung. Diese betrifft vor allem KI und wie sie das zukünftige Handeln beeinflussen wird.

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